Generation unpolitisch?

Politisch unpolitisch

Mich hat letztens eine Behauptung meines Bekannten stutzig gemacht. Vielleicht war es nur eine beiläufige Bemerkung, der ich mehr Bedeutung beimesse als notwendig.

Er sprach von der Generation der jetzt zwanzig bis dreißigjährigen – allgemein oft unter dem etwas sperrigen Begriff „Studierende“ zusammengefasst – als eine eher unpolitische Generation. Ich denke, dass dem keine Wertung, weder als positiv noch als negativ, unterlag. Es war so wertfrei, wie man es von jemandem erwartet, der zwar Wirtschaft studiert hat und als Banker augenscheinlich hauptberuflich Vollblutkapitalist ist, sich jedoch mit seinen politischen Meinungen, Aussagen und Weltanschauungen, sowie mit seiner Leidenschaft für Karl Marx regelmäßig im liberalen, linken, roten Bereich des Teichs ansiedelt.

Aber im Ernst? Unpolitisch? Darüber hab ich nie nachgedacht. Es liegt nahe das entweder als Zufall zu deuten, oder als Resultat einer Mentalität, die schlicht und ergreifend diese Generation charakterisiert. Hat diese Generation einfach andere Interessen? Möglicherweise könnten nun Historiker, die selber in der Regel nicht Teil dieser Genration sind, zu schlauen, mit Fakten belegten und in ihrer Aussagekraft selbstverständlich alternativlosen Abhandlungen kommen, die uns Erklärungen liefern sollen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich gehört habe, dass sich Erwachsene aus der Kategorie 40+ berufen fühlten, sich zu Politikverständnis und -begeisterung der jüngeren Generationen – unter anderem meiner – zu äußern.

Ich gebe jetzt einfach ganz unverbindlich mal meine Einschätzung der Lage preis. Man kann in dieser Welt fast nichts machen, ohne in irgendeiner Weise ein politisches Statement abzugeben. Wenn wir jetzt mal besagten Bekannten beim Wort nehmen, ist das, wovon hier die Rede ist, ein Phänomen, welches bei einer ganzen Generation zu beobachten war. Wenn sich jetzt tatsächlich ein Großteil einer ganzen Generation aus der Politik rausnimmt, ist das ein genauso starkes Statement, wie die aktive Beteiligung an ihr.

Wer war es denn, der die Chance gehabt hätte, das politische Interesse dieser jungen Leute zu bilden und ihnen eine Politik zu geben, in die sie sich aktiv einbringen wollen? Politiker, Lehrer, Eltern. Mitglieder der – Oh Wunder! – älteren Generation.

Moment, warte mal kurz. Sind das nicht genau die, die das angebliche fehlende Interesse jetzt bemängeln und die vorrangegangen Vorwürfe formuliert haben?

Lustiger Zufall…

 

Hier noch einige Artikel zum Thema:

Generation Privatleben

Neue Studentengeneration – Hauptfach Egoismus

Generation Y – Niemand hat Angst vor diesen Studenten

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